Der Burgwall in der Ottenser Feldmark

Ein noch heute sichtbares Denkmal aus der Vorgeschichte unseres Dorfes ist der Burgwall an der Este, Heimbruch gegenüber. Über ihn schrieb v. Holleuffer-Daudieck (bei Horneburg) am 30. November 1933 an das Provinzialmuseum Hannover:

“3 ½ km oberhalb Buxtehude liegt an der Este in der Feldmark Ottensen, gegenüber von Heimbruch, ein Burgwall, der ganz besondere Bedeutung verdient. Nur wenig Zutreffendes ist über ihn bekannt geworden; abseits der Straße führt er ein stilles Dasein inmitten eines größeren Weidekomplexes am Westufer der Este. Ungestört durch Wald oder andere Bewachsung kann man die ganze selten wohlerhaltene Anlage in allen ihren Teilen vortrefflich übersehen; zudem wird das Auge gefesselt durch ein besonders schönes, stimmungsvolles Landschaftsbild, in das die Burganlage auf einem der nach der Este verlaufenden Heiderücken eingebettet ist. Mit Herrn Forstmeister i.R. v. Düring in Horneburg habe ich mit dem Messtisch die Burg nebst Umgebung aufgenommen und in das beiliegende Messblatt eingezeichnet im Maßstab 1:1000. Danach ist dann diese Aufnahme in das auf 1:3200 vergrößerte Messtischblatt durch Herrn v. Düring übertragen worden. Die ganze Anlage ist daraus klar zu ersehen; es handelt sich offenbar um eine dynastische Wohnburg aus dem 9. oder 10. Jahrhundert n. Chr.

Über ihre Geschichte ist nichts genaues bekannt, schriftliche Quellen fehlen. Nach Ortslage und späteren Besitzverhältnissen steht wohl außer Zweifel, dass es der ursprüngliche Sitz des Edelgeschlechts v. Heimbruch (Edle v. Buxtehude) ist, der aber schon frühzeitig verlassen seit dem Wohnsitz im rechtsseitig gelegenen Heimbruch vertauscht ist. Grotefend gibt in seinem Urkundenbuch der Familie von Heimbruch wohl Angaben über die Burg, diese gewähren aber kein klares Bild über die Gesamtanlage, auch nicht über Alter und Erhaltungszustand. Bei Betrachtung in der Natur gewinnt man den Eindruck, als ob die Burg nicht auf älterer Grundlage erbaut ist, sondern gleich so errichtet wurde, wie sie sich jetzt darstellt. Andererseits scheint sie nicht lange bewohnt gewesen zu sein; der fast gänzlich unberührte Zustand und die einheitliche erhaltene Anlage gibt die Aussicht, dass durch eine Grabung viel festgestellt und die fehlenden schriftlichen Urkunden wesentlich ersetzt werden können, um ein einwandfreies Bild über die Burg und ihr alter zu bekommen. Bei Besichtigung fällt zunächst auf, dass außerhalb der Burg auf der Geesthöhe ein Hügel, wohl ein altes Hünengrab, als Beobachtungswarte ausgestattet war, von wo aus ein weiter Überblick über das ganze Estetal und Augenverbindung mit Moisburg, Buxtehude, Blankenese usw. besteht. Die Burg selbst ist auf einem Höhenrücken zwischen tief eingeschnittenen Geländefalten, die zum Estetal streichen und sinnreich für die Befestigung verwandt sind, angelegt. Die von der höher liegenden Landseite gefährdete Stelle ist durch eine starke Erhöhung des Burgwalles mit zwei vorliegenden Gräben gesichert. An dieser Stelle zeigt eine Erdbrücke über die beiden Gräben auf die Stelle des Zugangs zur Burg bzw. Vorburg (Tor?). Der durch ihn etwa eingedrungene Feind musste, um in die Hauptburg zu kommen, mit der rechten Schulter zu ihrem Walle an diesem entlang zur Nordostecke vorstoßen, wo ein steiler Aufweg in die Hauptburg hineingeführt zu haben scheint. Während nach der Flußniederung zu überall nur in dem Sumpfgelände und dem Steilabfall dorthin (wohl mit Zaun) gesucht ist (Osten), sind gegen den Hang der Geest auf der Westseite die Wälle der Hauptburg und Vorburg bemerkenswert hoch, die Gräben entsprechend tief, im Nordwesten sogar gegen die Flache Mulde oberhalb der Teichschlucht, der jenseitige Grabenrand noch durch einen Wall besonders verstärkt, offensichtlich, um einem Vordringen des Gegners von der Geest her und gedeckt in der Mulde nachhaltiger entgegentreten zu können. Ähnlich scheint ein kleines Wallstück in der Nordostecke gegen die Flußniederung dafür bestimmt zu sein, ein feindliches Vordringen gegen die Wasserstelle zu verhindern, die als kleine Einbuchtung der Flußniederung in die Vorburg unterhalb der Hauptburg vielleicht einer besonderen Sicherung bedurfte. Die jetzige Brücke zwischen Heimbruch und der Burg scheint als Zuwegung und Angriffspunkt nicht besonders gewertet zu sein, weil die Anlagen dorthin offensichtlich keine besondere Front darstellten. Der Übergang wird deshalb, wie auch die Ufergestaltung zeigt, wenn er bei Errichtung der Burg schon vorhanden war, keine besondere Bedeutung gehabt haben. Das Vorhandensein einer besonderen, dem Namen nach Urkundlich bezeugten "Gohbrücke" oberhalb Heimbruch und der Burg an nicht mehr genau bekannter Stelle (vielleicht 1000m oberhalb) verstärkt den Eindruck, dass der Flußübergang für die Burg nicht bei Heimbruch lag. Eine für heutige Wirtschaftsverhältnisse nicht mehr vertändliche Wegaufdämmung mit anschließendem Einschnitt 250m südwestlich der Burg am Geestrande macht es warscheinlich, dass von dort her der eigentliche Zugang zur Burg dicht unterhalb der Warte vorbeigeführt hat.”
Soweit Holleufer.

Rektor Müller, ein Verwandter Frau Claus Dammanns sen., schreibt hierzu: “Südlich von Buxtehude erhebt sich auf dem linken Ufer der Este, gegenüber dem Dorfe Heimbruch, steil aus dem Wiesental der Heidehügel, auf dem einst die Burg der Herren von Heimbruch gestanden hat. Der Burgplatz mit abgerundeten Ecken hat eine Seitenläge von 60 Schritt. Er ist an drei Seiten durch das sumpfige Tal der Este besonders gegen Reiterangriffe geschützt An der Gegenseite, wo die Verbindung mit der hohen Geest besteht, sind mehrere Vorschanzen und Wälle deutlich zu sehen. In westlicher Richtung, etwa 200 Schritt von der Burg entfernt, befindet sich ein mit Unterholz bestandener Hügel, auf dem ohne Zweifel früher ein Wartturm gestanden hat.

In einer Beschreibung aus dem Jahre 1842 wird diese Anhöhe als Jerenberg (bekannt als Maiglöckchenhügel) bezeichnet. Schon vom Fuße des Hügels hat man eine überraschend weitreichende Aussicht, von dem Zinnenkranze eines Turmes muss man die gesamte Gegend weit hinaus beherrscht haben.”

Dr. Meyne: “Bei Heimbruch hat wohl auf dem Berge, der dem heutigen Dorf gegenüberliegt, eine vorgeschichtlich Burg gestanden. Vielleicht war sie eine Langobarden- oder Sachsenburg.”

Theodor Benecke: “Nach einer Ansicht soll die älteste Burg dieser Gegend Heimbruch gegenüber gestanden haben. Hier hat das reich begüterte, noch heute (1908) in Niedersachsen weit verbreitet Adelsgeschlecht “Derer von Heimbrock” seinen Ursitz. Die Inhaber dieser Feste, so erzät die Sage, seien arge Raubritter gewesen, die in Gemeinschaft mit den Rittern auf dem Falkenberge bei Harburg ihr Handwerk getrieben hätten. Beide Raubritter verständigten sich durch Aaufziehen einer Fahne auf ihrer Burg. Endlich bereiteten die Bürger zu Buxtehude ihrem Treiben ein jähes Ende. Die Ritter versteckten sich im Busch bei Heimbruch, aber die dort brütenden Kiebitze verrieten sie durch ihr ängstliches Schreien. Man schlug die Ritter zu Tode und brannte ihre Burg nieder. Unermessliche Schätze hatten die Räber vorher an unbekannter Stelle vergraben. Lange Jahre hindurch soll man im Rathause zu Buxtehude noch die Rüstung, den Ring und das Taschentuch von einem der erschlagenen Ritter aufbewahrt habven.”

Wie jede Sage sich um einen geschichtlichen Kern rankt, so auch diese von den Heimbrucher Rittern, die wohl einst auf dem alten Burgberge bei Heimbruch wohnten. Sie waren aber keine Raubritter, sondern ein durchaus ehrenwertes, tüchtiges Adelsgeschlecht, das unter den mittelalterlichen Grundherren unserer engeren Heimat an führender Stelle stand. Im 12. Jahrhundert erstreckte sich die Herrschaft der Heimbrucher über das Gebiet: Stade-Elmshorn-Lübeck-Lüneburg-Verden-Stade. 1197 stifteten Heinrich, Gerlach und Florian v. Heimbruch das Alte Kloster; sie werden in der Gründungsurkunde allerdings Adels- oder Edelleute von Buxtehude (Buxethehuthe) genannt. Wie es dazu kam, das hat der frühere Bürgermeister Franz Andreas von Altkloster, heute wohnhaft im Hause Gaetke auf altem Luersdorfer (Ludelmestorpe) Boden in einer kleinen Erzählung lebendig der Nachwelt dargestellt. Neben vielen Bauernhöfen vermachten sie dem Kloster auch ihre Burg auf dem Buxtehuder Berg (in dem Dorfe Buxtehude, heute Altkloster). Ob sie aus Anlaß dieser Schenkung Buxtehude verließen und nach dem Burgberg bei Heimbruch zogen, bedarf einer einwandfreien Feststellung des Geländes an der Este, auf dem zu gegebener Zeit eine Grabung geschehen sollte. Die Änderung ihres Namens “von Buxtehude” in “von Heimbruch” hängt mit der Verlegung ihres Burgsitzes zusammen. Es besteht die Möglichkeit daß die Familie bei Heimbruch eine Art Provisorium einer Burg anlegte und hier vorrübergehend wohnte, denn mit dem Burgberg am linke Esteufer gegenüber den vier Höfen Heimbruchs muß es eine bestimmte Bewandnis haben. Nun ist aber auch Willi Meyne in den Forschungen zur Entstehung der Burg zu Moisburg zu dem Schluß gekommen, daß sie frühestens 1181, spätestens aber 1236 erbaut sein muß, ein Hinweis der uns wertvoll genug ist, um ihn bei der Frage nach der Namensänderung der Nobiles von Buxtehude heranzuziehen. Als sie ihren Besitz in unmittelbarer Nähe des neugegründeten Klosters aufgaben, und zunächst vielleicht auf dem Burgberg, bald darauf dann nach Moisburg übersiedelten, gaben sie auch den bisherigen Namen auf und nannten sich: von Heimbruch. Das älteste Wappensiegel der Heimbrucher vom 23 August 1354 trägt die Inschrift “Sigillum Bartoldi de Heymbrok”; das Wappen zeigt auf Silber 3 senkrechte Balken in Rot, die auch in Decken wiederkehren

Nach Thorborg erbaute um 1192 der Sohn des Meinrich von Muxburg (Moisburg) mit dem Namen Heinrich die Burg bei dem Dorfe Heimbruch. Das breite und sumpfige Estetal östlichdes Heidehügels scheint dem Edelmann besonders gegen die Reiterheere der Lüneburger ein guter Schutz gewesen zu sein, um hier eine Burg zu errichten. Nun nannte sich das Adelsgeschlecht nach dem Orte von Heimbruch, während sie vorher von Buzteburg oder Muxburg hießen; diesen Beinamen hat es selbst dann behalten, als es um 1600 nach Varste in der Grafschaft Hoya verzog. Als im Jahre 1236 der Erzbischof von Bremen und der neue Herzog von Braunschweig-Lüneburg den Hundertjährigen Streit beendeten, wurde im Vergleich die Este die Landesgrenze. Nun mußten die Heimbruchs sich entscheiden, welcher Herrschaft sie angehören wollten. Ihre meisten Besitzungen lagen um Hittfeld. Da es Grundsatz der Bremer Kirche war, daß kein fremder Vasall seinen Stammsitz im Erzbistum haben durfte, so gaben die Heimbruchs ihre Burg an der Este wieder auf und siedelten wieder in der Gegend von Hittfeld. So können wir also rechnen, daß etwa um die Zeit von 1236-40 die Burg wieder verödet oder anderweitig abgetreten ist. Die Anlage der Burg und die Fischteiche sind noch heute deutlich zu erkennen. Es wäre zu wünschen, daß dieser Platz unter Naturschutz gestellt wird.

Adolf Peter Krönke: “Vor dem Kriege wurden südlich des Dorfes Ottensen Teile der altsächsischen Heimbruchburg freigelegt. Diese Befestigungsanlage entstand im 10. oder 11. Jahrhundert.”

Abschließend und zusammenfassend können wir heute leider nur feststellen, daß über unseren Burgwall keine sicheren Nachrichten vorliegen, daß eine späteren fachwissenschaftlichen Grabung die Aufgabe bleibt, zu erforschen, ob er:

  1. eine langobardisch-sächsische Flucht- oder Kampfburg
  2. eine sächsische Dynastenburg
  3. eine mittelalterliche Ritterburg der Heimbrucher oder endlich
  4. 1 und 3 in zeitlichem Abstand nacheinander war.

Bearbeitet für das Internet am 19. April 2001 Entnommen aus "Chronik des Dorfes Ottensen" Seiten 69 - 75

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