Das Gericht Delm

Nachdem die Sachsen in unsere Region vorgedrungen waren, brachten diese ihre Gauverfassung zur Geltung. Ottensen gehörte zum Gau Mosidi oder Mosdegau, was so viel wie Sumpfgau heißt, mit Moisburg als Mittelpunkt. Der Gau reichte von der Lühe bis an die Seeve, im Süden bis an die Oste oder Wümme. Seine urkundlich älteste Erwähnung fand man in einem Schreiben König Ottos I. vom 2. Juli 959.

Unser Gau war in Hinsicht auf Verwaltung und Gericht in drei Teile geteilt: Die Goe Ottensen (später das Gericht Delm), Hollenstedt und Hittfeld. Jeder Go hatte seinen Gografen. In oder bei Ottensen muß eine adelige Familie seßhaft gewesen sein, die die Gografen stellt. Einige Mitglieder sind urkundlich belegt.

  • 1219 Segebant von Ottenhusen, Sigerbode von Osterstede, Arnold von Ottenstide
  • 1225 Herwich von Uttensen, Heinrich von Borg, Segebode von Borg
  • 1231 Segebode von Ottenstede verkauft Grundstücke an das Laurentiikloster zu Buxtehude; Zeugen Heinrich und Segebode v. Borg und Gograf Hermann, der jedenfalls Gograf von Ottensen war.
  • 1270 Zeuge Ritter Hermann von Ottenstede
  • 1276 Zeuge Ritter Hermann von Ottenstede
  • 1284 resigniert Ritter Hermann von Ottenstede seine Lehngüter dem Erzbischof für das Kloster Buxtehude.

Die Gerichtsstätte vom Go Ottensen war in Luthmeresdorpe (Lüdenstorf), einem Ort, der dort lag, wo die Gemarkungen Ottensen und Buxtehude zusammenstießen (Heute erinnert die Bezeichnung Lüdenstorfer Feld daran). Diese Gerichtsstätte wurde später nach Apensen verlegt. In einer Beschreibung von 1684 heißt es:

Im Kirchspiel Apensen ist ein Gericht einigen Edelleuten zuständig, nemblich denen von der Lieht, v. Düring und Zesterflethen, wird das Gericht aufm Delm und der Distrik davon Delm genannt: Sauensiek aber gehört dem Schulten zum Daudeich allein zu. Apenser Gerichtsfindung, welche der Grafe Johann Küster anno 1684 zur Nachricht communicieret hat. Der Anfang des Gerichts ist von der Stofflethen Brügge vor dem Zollhause zu Horneburg, die Aue entlängst in die Landwehr, die Landwehr entlängst bis auf den Vogelsang, wieder achter die Buxtehuder H., den Graben entlängst bis auf den Buxtehuder bütersten Schlagbaum, von da in den Ziegelgraben, über den Ziegelgraben durch die alte Closter-Kirche biß in die Este, die Este entlang biß in den Goldbecker Mühlenbeck, aus dem Goldbecker Mühlenbeck bis in die Rahmstorfer Flachsröthe, von der biß auff den Baum, darauff das Creutz gehauen zwischen hiesigem und Lüneburger Gericht, von diesem Baum auf den Twäldenbaum, von dar auff die Högen, so von den sämbtlichen Gerichts-Junkern und den Lüneburgern aufgeworfen worden, von den Högen auf einen raugen Baum, von da auf in die Halßbossler Bahlen, von da auf den Hollenberg vor die Löhe, von dar auf die schwartze Regen, von dar auff drei Bäume im Bucklande, von dar in den Holenfort biß auf die Kuhle in der großen Heerlohe, von Dar auf den Stein in Sahlings Heide, von dar auff die Wulffkuhle, von dar auf den Finkenslaag, von dar auff die Eckerstete, von da in den Duwenforth, die tiefen Rähmen entlängst in die ruge Reye, von dar biß auf die Linsche auff die Griemshorster Brügge, dann die Bäcke entlängst biß in den Steinbeck,den Steinbeck entlängst biß in die Aue, die Aue entlänst biß an die Stofflethen Brügge vorm Zollhauße in Horneburg.

Also gehörten zum alten Gerichtsbezirk Delm die Orte Ottensen, Apensen, Nindorf, Goldbeck, Beckdorf, Löhe, Sauensiek (unterlag der Gerichtsbarkeit eines Schulten), Wiegersen, Revenahe, Kammerbusch, Ruschwedel, Grundoldendorf, Bliedersdorf, Nottensdorf, Schragenberg, Hedendorf und Neukloster. In späteren Jahren hat sich das dann reduziert um Bliedersdorf, Nottensdorf, Schragenberg, Hedendorf und Neukloster. Das Gericht Delm wurde erst 1852 Aufgelöst und dem Amtsgericht Buxtehude angegliedert.


Erstellt am 19. April 2001

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